FLiB-Pressemeldung 06/2015

EnEV bleibt wichtiger Motor für Blower-Door-Tests

Grenzwerte für Gebäude-Luftdichtheit werden auf breiter Front unterschritten

Berlin. Blower-Door-Tests im Rahmen der Energieeinsparverordnung, auch EnEV-Schlussmessungen genannt, machen den Großteil aller Luftdurchlässigkeitsmessungen an Gebäuden aus. Darauf lassen die Ergebnisse einer Umfrage schließen, die der in Berlin ansässige Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V.) im Mai 2015 unter einschlägig tätigen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Gut sechzig Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass mehr als zwei Drittel aller von ihnen im Vorjahr durchgeführten Dichtheitstests auf EnEV-Schlussmessungen entfielen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Die von den Messteams durchschnittlich ermittelte Luftwechselrate lag deutlich unter dem von der Energieeinsparverordnung vorgegebenen Maximalwert.

Wie dicht wird in Deutschland gebaut? Das wollte der Fachverband mit Hilfe seiner Mitgliederbefragung vorrangig erfahren. Die Luftwechselrate n50 liefert Hinweise darauf: In Häusern mit Lüftungsanlage darf sich laut EnEV das Luftvolumen unter Standardmessbedingungen höchstens 1,5-mal innerhalb einer Stunde austauschen (n50 ≤ 1,5 h-1). Für Gebäude mit freier Lüftung erhöht sich der Kennwert auf maximal 3,0 h-1. Um möglichst viele Rückläufe zu erzielen, verzichtete der FLiB auf die Unterscheidung nach Lüftungsverfahren. Stattdessen waren die Fragen bewusst einfach gehalten und zielten auf die persönliche Mess-Erfahrung ab: „Wie hoch ist bei Ihnen in etwa der durchschnittliche n50-Wert eines Mehrfamilienhaus-Neubaus/bei einer MFH-Modernisierung? Wie hoch ist bei Ihnen in etwa der durchschnittliche n50-Wert eines Einfamilienhaus-Neubaus/bei einer EFH-Modernisierung?“

Resultat: Die Mitgliedsunternehmen des FLiB gaben über alle Lüftungsverfahren hinweg für neu errichtete Einfamilienhäuser einen durchschnittlich ermittelten n50-Wert von lediglich 1,1 h-1 und für neue Mehrfamilienhäuser sogar von nur 0,9 h-1 an. Bei Gebäudemodernisierungen lag die im Schnitt gemessene Luftwechselrate n50 bei 1,6 h-1 im Einfamilienhaus bzw. 1,5 h-1 im Mehrfamilienhaus. „Daran wird deutlich, dass sich eine luftdichte Gebäudehülle heutzutage ohne Schwierigkeiten erreichen lässt. Und das nicht nur bei Neubauten, sondern auch im Bestand“, wertet FLiB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Oliver Solcher die sehr guten Messergebnisse.

Natürlich wirke sich günstig auf diese aus, dass Bauvorhaben, bei denen man dem Thema Luftdichtheit keine weitere Beachtung schenke, nur in den seltensten Fällen einem Dichtheitstest unterzogen würden. Auch die Einrechnung von Passivhäusern, für die deutlich strengere Grenzwerte jenseits der EnEV gelten, senke den Durchschnittswert, räumt der Fachverband ein. Dennoch sei die Tendenz eindeutig, zeigt sich Solcher überzeugt: „Die Praxis luftdichten Bauens hat die von Normen und Verordnungen genannten Grenzwerte längst überholt.“ Auch der Blick auf die einzelnen Datensätze stützt das positive Gesamtbild. Selbst bei den erwartungsgemäß etwas schlechter abschneidenden Modernisierungen bleiben Durchschnittsluftwechselraten über 2,0 h-1 die Ausnahme.

An der Befragung beteiligten sich etwa 20 Prozent der insgesamt rund 260 im FLiB organisierten Anbieter von Messdienstleistungen, in der Masse selbstständige Ingenieurbüros mit maximal einem Angestellten. Hinzu kommen einige Unternehmen, die Blower-Door-Tests unter anderem zur eigenen Qualitätssicherung nutzen.

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